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5000 Schüler jährlich für die Lübecker Museen – 10 jähriges Jubiläum „Jungend ins Museum“

2019 ist ein Jahr vieler Jubiläen, der 200. Geburtstag von Queen Victoria, Leonardo da Vincis 500. Todestag, unser Grundgesetz gilt seit 70 Jahren und die Mauer ist vor 30 Jahren gefallen. Aber nicht nur weltbewegende Ereignisse feiern ihr Jubiläum, auch das Projekt „Schüler führen Schüler“ existiert seit nunmehr 10 Jahren.
Um die Magie dieses Projektes zu vermitteln, folgen zunächst einmal ein paar trockene Zahlen: Lübeck hat round about 20.000 Schüler*innen, dank des Projekts sind jährlich rund 5000 davon in den Lübecker Museen, 1/4 aller Lernenden! Dass dieses tolle Projekt seit mehr als einem Jahrzehnt Schüler*innen in die Museen lockt, musste einfach gefeiert werden; und das wurde es auch.

Bevor wir uns damit beschäftigen, wie gefeiert wurde, sollte an dieser Stelle noch einmal erwähnt werden, dass eine monatelange Planung hinter dem nun Folgenden stand, denn ohne diese wäre das alles nicht so glatt gelaufen.
Aber erst einmal von Anfang an, was ist überhaupt“Schüler führen Schüler“?

Museumsführer in einem Museum, das Normalste der Welt, nicht aber, wenn diesen Job Schüler*innen von der 10. bis zur 12. Klasse ausführen. Das Konzept verfolgt die Idee, Jugendliche ein Jahr lang in einem der Lübecker Museen auszubilden, sodass sie am Ende der Ausbildung in der Lage sind, Schülergruppen durch selbige zu führen. In vielen Treffen lernt man erst einmal etwas über die Thematik des Museums, egal ob es  Kunstgeschichte, Wohnkultur oder Politikgeschichte ist, aber es geht noch darüber heraus: Wie stellt man sich vor eine Klasse? Was macht man mit seiner Gestik und Mimik? Was, wenn die Klasse alles tut, außer zuhören? Wie viel kann man in einer Stunde vermitteln? Man lernt also nicht nur für das Führen, sondern für das Leben. Der ganze Ausbildungsjahrgang fährt einmal in der Ausbildungszeit zusammen weg. Mein Jahrgang war im Emil-Nolde-Museum in Seebüll und wurde dort über das Gelände geführt, konnte nicht nur etwas über diesen Ausnahmekünstler erfahren, sondern auch wie professionelle Museumsführer das eigentlich machen.

Die Ausbildung wird mit einer Prüfung abgeschlossen, bei der die Stifter Herr und Frau Haukohl, die Ausbilder, einige der Direktoren der Lübecker Schulen , die Eltern sowie Verwandte und andere anwesend sind. In 5-Minuten-Führungen präsentiert jeder einzelne Ausgebildete das Gelernte  und wenn alles gut läuft, verlässt er die Feierlichkeiten mit einem Diplom, T-Shirt und Namensschild und darf ab dann Schülergruppen durch sein Museum mit einer ganz individuellen Führung geleiten.

Nach den Sommerferien landete dann tatsächlich eine erste Anfrage für eine Führung in meinem E-Mail Postfach.

Wirklich aufgeregt traf man sich dann mit einem weiteren Museumsführer, um einer Klasse das Museum näher zu bringen. Es kann zwar wirklich viel schief laufen, aber wenn man es dann am Ende geschafft hat, zählt die gesammelte Erfahrung und die Anerkennung viel mehr als die 10€, die man für jede Führung erhält.
Mit eben genau diesen Erfahrungen beschäftigte sich auch der Anfang des Jubiläums. Im Hansemuseum traf sich eine Auswahl an Museumsführern und geladenen Gästen. Zwei ehemalige Museumsführer stellten mehreren aktiven und einigen ehemaligen Museumsführern ganz persönliche Fragen zu Erfahrungen, unvergesslichen Momenten und vielleicht auch den ein oder anderen Fauxpas. Dieses Interview gab einen wunderbaren Eindruck in das Leben eines Museumsführers. Eine der Anwesenden studierte tatsächlich auf Lehramt, weil sie bei dem Projekt herausgefunden hatte, wie gerne sie mit Kindern und Jugendlichen arbeitet.

Beim Hineinkommen bekamen die Gäste farbige Karten mit Zitaten oder Fotos aus einem der Museen und wurden damit einer Gruppe von 2-4 Museumsführern zugeordnet. Denn nun begann der praktische Teil des Nachmittags. Die Gäste wurden auf verschiedenen Routen zu unterschiedlichen Museen geführt und abschließend in das Sankt-Annen-Museum.
Nun muss ich persönlich werden, denn ich werde über den Führungsteil aus der Sicht meiner Gruppe berichten. Ich wurde mit fast 20 anderen ein Jahr lang im Willy-Brandt-Haus ausgebildet, so durfte ich auch heute wieder mit drei anderen Schülerführern den Gästen diesen tollen Ort näher bringen. Wir gingen also vom Hansemuseum hinunter zum Burgtor, wo eine der Stadtführerinnen (ja, man kann  auch eine Fortbildung zum Stadtführer machen) gekonnt einen kurzen Einblick in die Historie des Tors gab. Über den Kohlmarkt, das Heiligengeisthospital und die Jakobikirche ging es die Königsstraße hinunter bis zum Willy-Brandt-Haus. Auf dem Weg dorthin wurde sich schon angeregt unter den Gästen, aber auch mit den Museumsführern unterhalten, das Interesse war insgesamt riesig! Normalerweise dauert eine Führung durch das Willy-Brandt-Haus eine Stunde, wegen des gegebenen Anlasses und der Zeit mussten wir das Ganze etwas abkürzen und haben einen kurzen Einblick in Willy Brandts Leben gegeben: Kindheit, Exil, Oberbürgermeister, Außenminister, Kanzler, Vorsitzender der sozialistischen Internationalen.

Weiter ging’s: Marienkirche, St.-Aegidien-Kirche, St.-Annen-Museum.
Der dritte Teil des Tages begann: Ein Interview mit Herrn Haukohl, Herrn Wißkirchen und Herrn Lindenau.
Herr Haukohl und Herr Wißkirchen haben das Projekt von Anfang an begleitet und mitbegründet und konnten so ihre Eindrücke über die Jahre und ihre Zukunftsvisionen schildern. Sie wurden beide mit einer Rose im Topf beschenkt, ein nettes Symbol für die Vergangenheit und Zukunft des Projekts. Herr Lindenau konnte seinen aktuellen Eindruck schildern und noch einmal den Wert des Projekts „Schüler führen Schüler“ hervorheben.

Aber eine letzte Person muss an dieser Stelle noch erwähnt werden: Petra Severin. Sie geht in so gut wie jede Lübecker Schule, jedes Jahr, stellt das Projekt vor und wirbt neue Museumsführer an, sie organisiert die Treffen, die Ausbildung, die Fahrten und eben dieses Jubiläum. All ihre Leistungen hier jetzt aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Sie bekam einen Survival-Korb für die nächsten zehn Jahre.

Danach waren alle noch nett beieinander und ließen den Tag ausklingen.
Es ist unmöglich, hier jetzt allen gebührend zu danken, aber  im Namen aller Ausgebildeten des Katharineums sagen wir: DANKE!

Auf die nächsten 10 Jahre!

Redaktion des Website Team

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