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Auf dem Zahlenolymp – Ein Interview mit Maria Mattis

Es hieß, sie sei nur kurz zu einem „Mathedingens“ weg und als nächstes ereilt uns die Meldung eines Sieges beim Bundeswettbewerb Mathematik. Davon sehr beeindruckt haben wir Maria Mattis (auf dem Foto rechts) nun getroffen und wollten wissen, was genau sie bei dem deutschlandweiten Wettbewerb gemacht hat und ob nun der Weltruhm bald bevorstehe.

Wie hast du überhaupt am Bundeswettbewerb teilgenommen?

Ich habe die Aufgaben zur Teilnahme zu Hause gemacht und sie dann eingeschickt. Informiert wird man durch Plakate, die aushängen, aber ich bin auch in einem Matheprogramm und seit der siebten Klasse bei „Jugend trainiert Mathematik“ und somit nehme ich schon länger an dem ein oder anderen Wettbewerb teil.

Wie viele Etappen musstest du durchlaufen um Siegerin zu werden?

Insgesamt drei. In der ersten Runde muss man vier Aufgaben zu Hause lösen, dafür hatte ich die Sommerferien Zeit. Danach kommen die ersten drei Besten in die zweite Runde. Dort löst man ebenfalls vier Aufgaben, diese sind aber deutlich schwieriger und es kommt nur weiter, wer wirklich alles richtig hat. Anschließend nimmt man an einem einstündigen Skolocium (einem wissenschaftlichen Gespräch) teil. Bei diesem Gespräch musste ich  meinen Lösungsvorgang der vorliegenden Aufgabe beweisen. Die „Jury“ bestand dabei aus Leuten von der Stiftung, der Uni und der Schule.

Wie viele ward ihr am Ende denn noch?

49 Personen, davon 7 Mädchen.

Hast du etwas gewonnen?

Ja, eine Aufnahme in die Studienstiftung des deutschen Volkes und ein vierwöchiges Praktikum am Max-Planck-Institut in Bonn.

Wie war deine Vorbereitung?

Es wurde gesagt, dass man sich nicht groß vorbereiten soll und kann, aber, dass man vielleicht einen Vortrag halten könnte, der allerdings nicht schwerwiegend bewertet werden würde. Also habe ich ein Referat über den indischen Mathematiker S. Ramanujan gehalten.

Hat dir dein schulisches Vorwissen geholfen oder musstest du dir noch Vieles selbst aneignen?

Natürlich stammen die Grundlagen aus der Schule und es wurde gesagt, dass man diese Aufgaben mit dem Schulwissen lösen könne, aber ich fand, dass die Aufgaben weit darüber hinaus gingen.

Wurden viele verschiedene Themenbereiche abgefragt, welche zum Beispiel?

In der dritten Runde konnte ich meine Lieblingsthemen quasi angeben (Zahlentheorie, Algebra und Physik) und in den anderen Runden wurden alle vier grundlegenden Elemente der elementaren Mathematik (Kombinatorik, Zahlentheorie, Algebra und Geometrie) abgefragt.

Gab es auch Fragen, die du nicht lösen konntest?

Ja, so halb. In der dritten Runde hat man Hilfestellungen bekommen, wenn man nicht richtig weiterkam. Das habe ich relativ oft benötigt. (lacht)

Meinst du, ob deine Mathematiklehrer*innen das lösen könnten?

Bei der vierten Aufgabe aus der zweiten Runde und bei der letzten Aufgabe bin ich mir nicht sicher, ob jemand das hinbekommen würde. Die waren wirklich schwierig, auch weil es keine typische Aufgabe und Aufgabenstellung war und es keinen eindeutigen Lösungsweg gab.

Hast du beim Bundeswettbewerb andere mathematisch interessierte Leute kennengelernt und wenn ja, stehst du mit ihnen noch im Kontakt?

Tatsächlich kannte ich schon sehr viele Leute vorher von der Bundesrunde der Mathematikolympiade (dem zweitgrößten Mathematikwettbewerb in Deutschland) und weiteren mathematischen Veranstaltungen und Treffen.

Gibt es jetzt weitere Förderprogramme für dich?

Ich kenne einen Dozenten an der Uni (Herrn Bey), der mit mir und einem weiteren Teilnehmer einmal die Woche Aufgaben löst.

Geht es nach diesem Wettbewerb noch weiter für dich?

Es gibt die Internationale Mathematikolympiade, an der ich aber nicht teilnehmen werde, da ich die Vorauswahlklausur knapp nicht bestanden habe. Prinzipiell gibt es dann auch noch den „Baltic way“, der für Küstenstaaten gilt, da habe ich mich aber noch nicht nach den Aufnahmekriterien erkundigt. Wo ich aber mitmachen werde ist die „European girls‘ mathematical olympiad“.

Wann hat deine Mathematikleidenschaft überhaupt angefangen?

In der Grundschule war das zwar schon mein Lieblingsfach gewesen und da habe ich auch schon an einigen Matheolympiaden teilgenommen, aber richtig angefangen Mathe zu mögen hat das bei mir so in der Mittelstufe.

Was fasziniert dich so an Mathe?

Es hat etwas sehr Perfektes an sich und ich mag das Beweisen sehr gerne.

Ist auch deine Mathematikzeugnisnote herausragend?

Ja, also ich habe 15 Punkte.

Langweilst du dich denn im üblichen Mathematikunterricht?

Die Aufgaben finde ich nicht besonders spannend oder schwierig, aber schneller als die anderen aus meiner Klasse löse ich sie auch nicht. Manchmal habe ich aber auch ein paar Extraaufgaben dabei, die ich dann löse, wenn ich früher fertig bin.

Hast du noch andere Hobbys?

Oh, da sind die Vorurteile natürlich groß (schmunzelt). Also ich lese gerne Bücher und andere Hobbys sind wegen der langen Schultage gerade schwer möglich.

Stellst du selber Theorien in deiner Freizeit auf?

Nein (lacht), ich stelle nur Beweise auf, das macht aber auch sehr Spaß.

Möchtest du studieren, wenn ja, was?

Ja, Mathe. Vielleicht in Richtung Forschung, Millenium-Probleme oder Primzahlvermutung oder sowas…

Welche konkreten mathematischen Ziele hast du für die Zukunft?

Also ich möchte schon gerne mit meinem Stipendium den Master in Mathematik machen, vielleicht auch im Ausland.

Möchtest du auch beruflich in diese Richtung gehen?

Nein, mir ist auch nicht ganz klar, was man mit Mathe machen kann und in die Wirtschaft möchte ich nicht gehen. Aber sicher weiß ich das auch noch nicht, das wird sich dann schon herausstellen.

Kennst du Prof. Scholze (Fields-Medaille)?

Ja, ich kenne sogar jemanden, der einmal mit ihm den Bundeswettbewerb mitbestritten hat und auch mit ihm gesprochen hat.

Viele Schüler*innen und Erwachsene finden ja durchaus, dass man Mathematik, besonders Schulmathematik, im Alltag nicht benötigt. Wie stehst du dazu?

Ich denke es geht in der Mathematik nicht nur um die  Berechnung an sich, sondern darum, eine Idee zu bekommen, wie man etwas berechnen kann. Diese Vorstellungskraft ist schon wichtig, denke ich, vielleicht nicht für jeden Beruf, aber es geht auch ums Prinzip. Das man Größen einschätzen kann und räumliches Vorstellungsvermögen besitzt und so etwas… Klar wird es im späteren Leben wahrscheinlich nicht darum gehen Vektoren auszurechnen, aber solche Denkstrukturen, die man dabei entwickelt und die logische Herangehensweise an Probleme, sind meiner Meinung nach schon wichtig. Naja und im Alltag ist es nicht schlecht, wenn man beim Einkaufen schon ungefähr weiß, wie viel man am Ende zahlen muss und einem nicht jeder X-beliebige irgendetwas von Mathe erzählen kann… (schmunzelt)

Wie viele Nachkommastellen von Pi kannst du spontan aufzählen?

3,14 (lacht). Das war’s.

Kennst du den Film 21? Könntest du auch Karten im Casino zählen?

Nein und nein…

Was findest du besser, Mathe oder Physik?

Mathe

Was ist die Antwort auf alles?

42

Vielen Dank für dieses interessante Interview!

 

                                                                  Redaktion des Website-Team