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Kreuzgang

Der Kapitän geht von Bord – Verabschiedung unseres Schulleiters Herrn Schmittinger

Es war frühmorgens am Dienstag, den 30. Januar 2018. Um 7:25 Uhr versammelten sich Mitglieder der Lehrer- und Schülerschaft in einer kleinen Gasse der Lübecker Innenstadt. Alle waren sie mit dem Fahrrad gekommen – nur Herr Hoffmann befand sich mit leuchtender Neon-Warnweste auf einer weißen Fahrradrikscha, jedoch noch ohne Passagier. Um Punkt halb 8 klingelte diese geheimnisvolle Versammlung an einer Haustür, aus der ein sichtlich überraschter Schulleiter trat. Herr Schmittinger nahm in der Rikscha Platz und wurde unter lautem Fahrradklingeln an seinem letzen Schultag nach 14 Jahren an unserer Schule zum Katharineum gebracht. Doch es sollte noch um einiges turbulenter werden:

Als der Fahrradkorso um die Ecke zum Vorderhof bog, begann die Jazz-Combo zu spielen. Zu diesen Klängen wurde Herr Schmittinger mit lautstarken Jubelrufen von der auf dem Hof und an den Fenstern versammelten Schüler- und Lehrerschaft begrüßt.

Einen besinnlichen Kontrast dazu schuf die darauffolgende Morgenandacht zum Thema „Zeit“ in der bis auf den letzten Platz gefüllten Katharinenkirche: Die 5a und ein Religionskurs des Abiturjahrgangs hatten den Gottesdienst gemeinsam mit der Fachschaft Religion geplant und sprachen auch die Begrüßungsworte zur Einleitung. Anschließend wurde unter der Leitung von Constantin Schiffner aus der Q2a „Danke für diesen guten Morgen“ gesungen. Herr Schmittinger hatte für den ersten und den letzten von ihm eingeschulten Jahrgang (also unsere aktuellen Fünftklässler) während der jeweiligen Einschulung aus Michael Endes Buch „Momo“ gelesen, das von der Zeit und unseren Umgang damit handelt. Im Gegenzug lasen jetzt die Schülerinnen und Schüler der 5a ihrem Schulleiter aus diesem Buch vor und stellten einzelne Szenen nach: Der Straßenkehrer Beppo fegte mit seinem abgewetzten Besen durch die Kirche, nutzte ihn als Balancierstange und kam mit der ihm zugeteilten Zeit nicht aus. Dies griff Pastorin Imke Akkermann-Dorn in ihrer Ansprache auf und sprach über Zeit und den Mangel an ihr, den gerade ein Schulleiter oft erleben muss. Nach einer langen Zeit von 14 Jahren am Katharineum und 45 Jahren im Schuldienst beginne Herr Schmittinger nun noch einmal neu, dementsprechend bekam er nicht nur den alten Besen des Straßenkehrers, sondern auch einen neuen geschenkt. Anschließend wurde das Vaterunser gebetet, die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs verabschiedeten ihren Schulleiter mit einem Bibelvers und alle sangen gemeinsam das irische Abschiedslied „Möge die Straße uns zusammenführen“.

Als unser Orientierungsstufenleiter Herr Schrader nach Ende der Andacht nach vorne trat und die Anwesenden zu einem Applaus aufforderte, hallte das alte Kirchengebäude von tosendem Jubel nur so wider. Herr Schmittinger bekam, wie es auch die abgehenden Schülerinnen und Schüler tun müssen, einen Abmeldezettel, auf dem 21 Unterschriften von unterschiedlichen Gruppen und Mitgliedern der Schulgemeinschaft zu sammeln waren. Dafür hätte er jedoch nur bis 12:15 Uhr Zeit, ansonsten dürfe er die Schule (zur großen Freude aller) doch noch nicht verlassen. Von Frau Arndt und Herrn Schrader begleitet, machte sich unser Schulleiter auf in einen anstrengenden Vormittag:

Pünktlich um 8:50 betrat er den Klassenraum der 6c, in der auch schon Frau Scheftel und Frau Lindow, die Leiterinnen der Fachschaft Französisch, zusammen mit den Klassen 6c und 6d auf ihn warteten. Sie begrüßten ihren Schulleiter mit einem Lied auf Französisch und löcherten ihn danach in dieser Sprache mit Fragen. Obwohl Herr Schmittinger zu Schulzeiten Französisch gelernt hatte, brauchte er bei der Beantwortung von Fragen nach seinem Alter oder seinen Hobbies etwas Hilfe von den Anwesenden. Nach einem zweiten Lied bedankten sich alle Mitglieder der Fachschaft bei ihm für die tatkräftige Unterstützung.

Im Raum nebenan wartete auch schon die Klasse 5c unter der Leitung von Herrn Scheel mit einem kleinen Mathematik-Spiel: Aufgabe war es, einen Schüler oder eine Schülerin auf der einen Seite der Klasse dran zu nehmen, der oder die dann eine Aufgabe stellte , zu der Herr Schmittinger wiederum eine Antwort auf der anderen Seite finden musste. Meist waren es typische Textaufgaben, wie man sie aus dem Mathe-Unterricht kennt, doch inhaltlich ging es meist um den Alltag des unbekannten Schulleiters Herrn S. Für jede richtige Aufgabe gab es ein kleines Geschenk. Herr Schmittinger hatte, nachdem anfängliche Unklarheiten bei den Spielregeln beseitigt worden waren, sichtlich Spaß und Erfolg. Anschließend bedankte sich die gesamte Fachschaft Mathematik bei ihm für die gute Zusammenarbeit.

Auf dem Weg zum Grünen Tisch wurde Herr Schmittinger dann von zwei aufgeregten Schülerinnen um Hilfe gebeten: Zwei ihrer Mitschülerinnen hätten sich verletzt und bräuchten dringend Hilfe. Zwar seien der Schulsanitätsdienst und die Erste-Hilfe-AG anwesend, um sich von ihm zu verabschieden, aber alle hätten sie ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse komplett vergessen. So wurden Herrn Schmittingers Kenntnisse in der Versorgung verletzter Schülerinnen und Schüler ein letztes Mal auf die Probe gestellt. Trotz der mit reichlich Kunstblut realistisch dargestellten Wunden und des großen Publikums, meisterte er seine Aufgabe ziemlich souverän und beide Patientinnen versicherten, es ginge ihnen hinterher viel besser. Damit er auch in Zukunft für alles gerüstet ist, bekam er einen Erste-Hilfe-Kasten geschenkt.

Vor dem Klosterhof wurde unser Schulleiter vom Website-Team empfangen, das die Homepage unserer Schule zu seinen Ehren umgestaltet und auf eine Leinwand projiziert hatte. Es bedankte sich für seine besondere Unterstützung des Projektes „Neue Website“ und wünschte ihm für seine Zukunft alles Gute! Auf dem Klosterhof selbst erwartete ihn dann eine gemütliche Teepause bei von Schülerinnen und Schülern selbst gebackenem Kuchen, Tee und Pralinen aus dem Sekretariat und einem Ständchen des Neuen Kantorats unter der Leitung von Herrn Hegge. Dieses trat von den Fenstern des Lehrerzimmers auf und füllte so den Klosterhof von allen Seiten mit harmonischen Klängen Ebenfalls erhielt er dort von der Fachschaft Biologie eine Urkunde über die Leihgabe eines Krokodilschädels an die Löwenapotheke. Da ihm immer sehr daran gelegen war, dass dieses Exponat der Schule erhalten bleibe, freute er sich besonders. Doch lange Erholung war Herrn Schmittinger nicht gegönnt:

 

Nachdem er die Lernmittelbücherei besucht und sich auch dort eine Unterschrift abgeholt hatte, erwartete ihn die Fachschaft Kunst zusammen mit der Kulturmark. Erstere hatte mit viel Sorgfalt und Mühe eine ganz besondere Gartenbank als Geschenk gefertigt: Die Rückenlehne konnte versetzt werden, sodass man die Bank an jede Gesprächssituation anpassen kann. Die Bezüge der Rückenlehnen waren ebenfalls selbst gestaltet worden. Die Kulturmark dankte Herrn Schmittinger für die großartige Zusammenarbeit. Dann ging es weiter in den großen Zeichensaal. Dort hatte die Q1d auch ein Abschiedsgeschenk: Dieses nahm Bezug auf die 3. Strophe des Abendliedes von Matthias Claudius:

„Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.“

Die Klasse hatte diese Strophe in Zusammenarbeit mit einigen Lateinlehrern ins Lateinische übersetzt und diesen Vers mit dem Thema „Austausch zwischen jungen und alten Menschen“ verbunden. Das Resultat waren tolle Öl-Bilder (die noch durchtrocknen müssen) und Herr Schmittinger freute sich schon darauf, sie aufzuhängen. Er erläuterte noch kurz, warum ihm dieser Vers so wichtig sei: Man könne ihn gut auf den Begegnungsraum Schule beziehen, da man sich dort oft wenig kenne und viele Menschen treffe, deren zweite Seite man, genau wie sonst im Leben auch, erst kennenlernen müsse.

Daraufhin bedankte sich die Fachschaft Kunst für die tolle Zusammenarbeit,  die „eine große Bereicherung und Freude“ war sowie für den Umbau der Kunsträume und für die vielen Neuanschaffungen hinsichtlich der Materialien und Werkzeuge. Auch Herr Schmittinger bedankte sich für die tolle Zusammenarbeit und lobte die Schüler/innen  und Lehrer/innen für die Werke und Projekte, die in den letzten Jahren entstanden sind.

Doch der Vormittag war noch lange nicht zu Ende: Nach und nach strömten Schülerinnen und Schüler in die Aula und nahmen auf ihren Sitzen Platz. Dieser Teil der Verabschiedung begann mit ein paar Worten von Herrn Hampel. Dieser bedankte sich für die großartige Unterstützung, vor allem bei der Durchführung des seit 2007 jährlich stattfindenden Osloaustausches des Schulorchesters. Zu dessen 10-jährigem Jubiläum sei Herr Schmittinger letztes Jahr sogar in Oslo angereist und habe eine großartige Rede in der norwegischen Sprache (!) gehalten. Passend dazu spielte das Schulorchester „Hochzeit auf Troldhaugen“ des norwegischen Komponisten Edvard Grieg. Herr Schmittinger erläuterte hinterher seine ganz besondere Assoziation damit: Die Entscheidung, sich auf den Posten des Schulleiters am Katharineum zu bewerben, habe er auf einer Wanderung in Norwegen (ganz in der Nähe des erwähnten Ortes Troldhaugen) getroffen.

Doch nicht nur in Norwegen, sondern auch in Israel hat Herr Schmittinger schon seine Schülerschaft begleitet: Die Gruppe der letzten Israelfahrt bedankte sich mit einem in Jerusalem aufgenommenen Leinwandfoto sowie einem israelischen Kochbuch und überreichte auch Dankeskarten ehemaliger Israelfahrtteilnehmer. Für sie sei die Fahrt eine ganz besondere Zeit mit ihrem Schulleiter gewesen, beispielsweise sei man früh morgens gemeinsam joggen gegangen.

Danach spielte die Schülervertretung mit Herrn Schmittinger eine ganz besondere Runde Memory: Die Karten waren mit Motiven aus seinen 14 Jahren am Katharineum gestaltet. Nach dem der Endstand SV: Schmittinger 4:4 erreicht worden war, übergab ihm die Schülervertretung zusätzlich zu dem bereits am Morgen geschenkten Katharineumspulli noch eine passende Jogginghose, da ihm später am Tag noch sportliche Momente bevorstehen sollten und verabschiedete sich mit einem Dankeschön für die genossenen Freiräume. Auch Herr Schmittinger bedankte sich herzlich für die tolle Arbeit der Schülerschaft. Als nächstes hatte das Junge Musical zwei Stücke vorbereitet: Zuerst präsentierten sie ein Lied und den zugehörigen Tanz aus ihrer aktuellen Produktion und danach ihr traditionelles Abschiedslied „Alohahe“, welches auch für abgehende Schülerinnen und Schüler immer gesungen wird. Das Regieteam dankte für das in sie gesetzte Vertrauen, so habe man beispielsweise jährlich auf eine Probenfahrt fahren und die Schule auch an den Wochenenden nutzen dürfen.

Die Leiter zur Empore der Aula stellte die nächste Herausforderung für unseren Schulleiter dar: Um zur Technik-AG zu gelangen, musste er diese hinaufklettern, wobei er von der Schülerschaft mit kräftigem Jubel unterstützt und durch die plötzlich von oben abgefeuerte Konfettikanone überrascht wurde. Auf der Empore angekommen, schlug er tapfer, aber leider erfolglos, im Mikrofonständer-Schnell-Aufbau-Wettbewerb gegen den von der AG gestellten Kandidaten und bekam für seine Zukunft, in der er ja ohne die Technikerinnen und Techniker der Schule zurechtkommen müsse, ein Schraubenzieherset geschenkt. Die Technik-AG bedankte sich für die Unterstützung und Herr Schmittinger erzählte als Zeichen seiner Dankbarkeit folgende Anekdote: Einmal habe er bei einer Verabschiedung in der Katharinenkirche eine Rede halten müssen, als plötzlich die dritte Seite seines Manuskriptes gefehlt habe und sich auch nicht bei seinem Zweitexemplar in der Jacketttasche habe entdecken lassen. Bis er sich dann entschlossen habe, zu improvisieren, seien ganze 60 Sekunden vergangen. Die Mitglieder der damaligen Technik-AG seien am nächsten Tag zu ihm gekommen, hätten ihm den Mitschnitt der Rede übergeben und erzählt, dass sie die doch etwas lange Pause herausgeschnitten hätten.

Offenbar hatte Herr Schmittinger sich schon gefreut eine wohlverdiente Pause im berühmt-berüchtigten Lehrerzimmer zu machen, doch es wartete dort schon die nächste Aufgabe auf ihn. Eine Schatzsuche! Die Referendare hatten sich viel Mühe gegeben, das Ganze so authentisch wie möglich zu gestalten. Mit Augenklappe, Hakenhand und Kompass ging es los. Die erste Aufgabe, sich 290° drehen und vorwärts zu gehen, scheiterte zunächst an der (besonders als Brillenträger) eingeschränkten Sicht, wurde aber letztendlich doch bestanden. Danach war die Kaffeemaschine anzupeilen und die Fernsprechanlage nebst einigen weiteren Orten aufzusuchen. Schließlich war der Schatz gefunden: eine echte Goldmünze. Die anschließende Unterschrift der Referendare brachte Herrn Schmittinger nah an sein Ziel, nun waren bis um 12:15 nur noch acht Signaturen zu sammeln.

Die erste davon erhielt er bei der Fachschaft Geographie, unter deren Anleitung er auf einer Scratchmap, einer einem Rubbellos ähnlichen Landkarte, alle seine bereisten Länder freikratzte und nebenbei Fragen der neugierigen Sechstklässler nach seiner weitesten Reise (Indonesien), seinem Lieblingsland (natürlich Norwegen) und seinen Lieblingsstädten (Bergen, Trondheim und Tromsø) beantwortete.

Für die nächsten beiden Unterschriften musste der sonst so gelassene Herr Schmittinger einmal ins Schwitzen kommen: Unsere Ruderriege forderte ihn zu einer Staffel über 250 Meter am Ergometer heraus, es traten vier Mitglieder der KRR gegen das Lehrerteam (Herr Schmittinger, Herr Olbrich, Herr Hoffmann und Herr Schrader) an. Ganz knapp nur konnten das Schülerteam am Ende den Sieg für sich entscheiden, aber die Lehrer und besonders Herr Schmittinger wurden für ihren Einsatz lauthals bejubelt und letzterer erhielt als Geschenk ein Ruderblatt mit den Unterschriften aller Mitglieder (auch wenn diese für seinen Abmeldezettel nicht mehrmals galten…). Zur Erholung war immer noch keine Zeit: Im Tischtennisduell gegen Herrn Hoffmann, als Vertreter der Fachschaft Sport, konnte unser Schulleiter mit seiner professionellen Technik beeindrucken und erreichte mit 10:10 ein Unentschieden. Für seine Verdienste verlieh man ihm Urkunde und Siegerkranz des anlässlich seiner Verabschiedung eingeführten Schulleiterfünfkampfes (anstelle des traditionellen Primanerfünfkampfes).

Auch die Fachschaft Physik, vertreten durch Herrn Kautz und dessen Profilklasse Q1b, wollte sich von Herrn Schmittinger verabschieden. Da dieser, so die Physiker, während der jährlichen Sextanervorstellung immer viel zu beschäftigt gewesen sei, um das Programm im Physikraum zu besuchen, werde dieses nun extra für ihn und mit ihm nachgeholt. Eine Expertengruppe der Schülerschaft prüfte die Erklärungen, die der studierte Physiklehrer Herr Schmittinger zu den einzelnen Experimenten abgeben musste, auf Vollständigkeit und Korrektheit und war insgesamt sehr zufrieden: Ob Blitze und lautes Knistern wegen Hochspannung oder neu entstehender Bierschaum in der Vakuumpumpe, alles meisterte er mit Bravour und bekam eine selbst gezeichnete Urkunde und eine Weinflasche mit angeschlossener Rakete (ob diese zuerst auf dem Mond oder in Herrn Schmittingers Weinglas landet, wird ein Mysterium bleiben…).

Vom Physikraum im Dachgeschoss bis zum Sextanerhof führte Herrn Schmittinger sein letzter offizieller Weg durch die Schule. Die Schülerschaft stand Spalier, klatschte mit ihm ab, überreichte Blumen, pustete Seifenblasen und klatschte und jubelte wie schon den ganzen Tag lang unermüdlich. Ein furioser und emotionaler Abschied nach 14 Jahren und einem turbulenten Vormittag!

 

Redaktion des Website-Teams