logo
Sliderbild
Slider
Sliderbilder
Slider Orchester
Fassade im Herbst (Slider)
Kreuzgang

Englische Diskussion mit dem amerikanischen Generalkonsul

Am Freitag, dem 8. September, diskutierten die zwei Oberstufenklassen Q1a (WiPo– und Musikprofil) und Q2a (Englisch– und Musikprofil) mit Richard Yoneoka, dem Generalkonsul der USA für Norddeutschland, im Refektorium über deutsch-amerikanische Beziehungen, internationale Konflikte, aber auch über deutsche Fußballvereine. Den Kontakt hergestellt hatte der bei der Veranstaltung ebenfalls anwesende Lübecker Bürgermeister Bernd Saxe.

Nach der Begrüßung durch unseren stellvertretenden Schulleiter Herrn Poetzsch-Heffter führte Herr Dr. Vogeler durch die vollständig auf Englisch stattfindende anderthalbstündige Diskussion. Er stellte die vorher gesammelten Fragen der Schülerinnen und Schüler, gab ihnen aber auch die Möglichkeit zu spontanen Nachfragen.

Der Diplomat nannte seinen Beruf „den besten der Welt“ und erzählte, wie er schon in der  Grundschule bei Konflikten immer zu vermitteln versucht habe. Diese Fähigkeit benötigte er auch bei der Beantwortung der Frage nach seinem Lieblingsfußballverein in Deutschland: Seiner Erfahrung nach sei dies die gefährlichste Frage überhaupt, die Rivalität zwischen dem HSV und St. Pauli erinnere ihn an die zwischen Demokraten und Repblikanern in den USA, insofern wolle er diesbezüglich nicht Stellung nehmen.

Danach ging das Gespräch aber zu ernsteren Themen über: Richard Yoneoka berichtete von Demokratieförderung während seiner Beschäftigung in Burundi und Gambia, sprach über das Eingreifen Russlands in die letzte amerikanische Wahl und Clintons Fehler im Wahlkampf, schilderte sein persönliches Erleben der Wahlnacht, nannte eine Amtsenthebung Donald Trumps unwahrscheinlich und plädierte für die Kooperation mit Erdogan beziehungsweise der Türkei in Syrien und im Kampf gegen den IS trotz heftiger Differenzen in Menschenrechtsfragen. Am Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Angela Merkel und Barack Obama erläuterte er, dass das Prinzip erfolgreicher internationaler Beziehungen ganz besonders von der Beziehung einzelner Personen abhängig sei und nur durch „persönliche Investitionen“ aufrechterhalten werden könne.

Angesprochen auf das Trump-Zitat America first nannte er dieses als durchaus angemessen, da ja auch im deutschen Wahlkampf die Interessen Deutschlands an erster Stelle stünden. Allerdings werde der erwähnte Ausspruch in der europäischen Wahrnehmung oft anders interpretiert. Man brauche ein starkes Deutschland und eine starke EU. Die wirtschaftliche Abschottungspolitik der aktuellen amerikanischen Regierung geschehe zugunsten der Menschen in Regionen wie dem „Rust Belt“, wo der Bedarf an neuen Arbeitsplätzen groß sei. Eine neue Perspektive bot für viele Schülerinnen und Schüler die Argumentation, dass die USA sowohl beim weltpolitischen Eingreifen als auch beim Unterlassen dessen kritisiert würden und man es so nie allen recht machen könne. Die Intervention im Konflikt mit Nordkorea sei beispielsweise zum Schutz Japans und Südkoreas notwendig.

Auch ökologische Themen wurden angerissen: Der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen sei im Interesse der Entwicklungsländer geschehen, die zur Erfüllung des Abkommens kaum in der Lage seien, der Sektor der „erneuerbaren Energien“ sei in den USA jedoch viermal schneller gewachsen als in Deutschland. Eine konkrete Stellungnahme des Referenten zu Trumps Aussage, es gebe keinen Klimawandel, blieb leider trotz mehrmaligen Nachfragens aus.

Illegale Einwanderung in die USA, besonders die unbegleiteter Minderjähriger, bezeichnete der Diplomat als Herausforderung, nannte die Vereinigten Staaten ein Einwanderungsland, was er mithilfe seines eigenen Stammbaumes verdeutlichte und sprach sich für ein deutsches Einwanderungsrecht aus. Auf seine Wünsche an die nächste Bundesregierung angesprochen kam er auf die Erfüllung der NATO-Vereinbarung zu sprechen, nach der alle Mitgliedsstaaten 2% ihres BIP in Verteidigung investieren sollten, was zwar von Donald Trump gefordert, aber von allen NATO-Mitgliedern vor seiner Amstzeit unterzeichnet worden sei. Dies sei demnach bindend und stehe – anders als hierzulande dargestellt – nicht in direkter Verbindung zur aktuellen Sicherheitspolitik der USA.

Mit Applaus und einem Buch über unsere Schule sowie einer Flasche Wein mit einem von Günter Grass gestalteten Etikett wurde der Generalkonsul verabschiedet.

Anschließend fand im Unterricht der jeweiligen Klassen eine durchaus kontroverse Nachbereitung statt: So habe man in den anderthalb Stunden eine ganze Reihe an Themen intensiv diskutieren können und es hätten sich bezüglich des Selbstverständnisses der USA interessante Perspektivwechsel ergeben, doch seien die suggestiven Gegenfragen und das dadurch beabsichtigte Vermeiden konkreter Stellungnahmen sowie die teilweise verzerrten Darstellungen des Referenten schade und für ein Gespräch mit Jugendlichen zu gelenkt gewesen. Insgesamt sei es aber lohnenswert und als Ergänzung zum Semesterthema „Internationale Beziehungen“ im Fach Wirtschaft/Politik spannend und geeignet gewesen!

 

 

Redaktion des Website-Teams