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Kreuzgang

Kreisau-Fahrt 2018

Vom 12.02.18  bis  17.02.18 fuhr die Klasse Ea in Begleitung von Herrn Knuppertz und Frau Scheftel nach Kreisau in Polen, um an dem Projekt „My History, Your History“ teilzunehmen.

Das Projekt fand in der Jugendbegegnungsstätte in Kreisau, oder auf Polnisch Kryzowa (Krdjdjowa), statt. Der Ort Kryzowa hat eine lange deutsch-polnische Geschichte: Während des 2. Weltkrieges traf sich hier unter Leitung des damaligen Inhabers Helmuth James von Moltke der „Kreisauer Kreis“, eine Widerstandsgruppe gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten. Das Besondere an dieser Gruppe war, dass versucht wurde, möglichst viele verschiedene Meinungen zu berücksichtigen. So gehörten sowohl Protestanten als auch Katholiken, und ebenso Adelige wie auch SPD-Mitglieder (zum Beispiel Julius Leber) der Gruppe an. Ihr Ziel war es, einen Plan für die Staatsordnung in der Zeit nach Hitler zu entwerfen. Sie unterstützten teilweise auch den Attentatsversuch von General von Stauffenberg, wodurch einige Mitglieder aufflogen und hingerichtet wurden. Später wurde Kreisau dann zu einer Jugendbegegnungstätte. Auf dem Gelände gibt es heute neben der Jugendherberge und verschiedenen Veranstaltungsräumen auch eine Ausstellung, die sich einerseits mit dem 2. Weltkrieg, aber andererseits auch mit der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen befasst.

Ziel des Projekts ist es daher, dass deutsche und polnische Jugendliche sich begegnen und über die Geschichte ihrer Länder austauschen. Dazu konnten wir zwischen verschiedenen Workshops wählen. Die Themen waren:

  1. Civil Rights and Opposition in Germany and Poland
  2. Music and History
  3. Poland and Germany in the European Union
  4. Art and History
  5. Migration and Media

Die Workshops fanden alle in englischer Sprache statt, aber die meisten Kursleiter sprachen Englisch, Polnisch und Deutsch, sodass wir uns gut verständigen konnten. Jeden Tag hatten wir vier „Sessions“, die jeweils 90 Minuten dauerten. Dazwischen hatten wir zwei „Coffee Breaks“ und eine Mittagspause. Nach dem Abendessen um 19 Uhr konnten wir uns noch in der Sporthalle austoben oder den Tag im Party- Raum ausklingen lassen.

Die polnischen Jugendlichen kamen von einer Kunstschule und sprachen ebenfalls Englisch. Ihr Akzent war allerdings manchmal schwer zu verstehen. Aber alle waren sehr offen, kreativ und freundlich. Wir hatten viel Spaß zusammen, zum Beispiel beim UNO spielen, tanzen oder Musik hören. Trotz der kurzen Zeit haben wir alle neue Freunde gefunden.

Den ersten Abend verbrachten wir mit Kennenlernspielen. Zum Beispiel malten wir Selfies und stellten uns vor. Am nächsten Morgen lernten wir unsere ersten polnischen Wörter: „Jak sie masz?“ (Wie geht es dir?), worauf wir dann mit „dobrze“ (gut), „jako tako“ (so lala) oder „zle“ (schlecht) antworten mussten. Bei „zle“ oder „schlecht“ mussten alle aufspringen und den Platz wechseln.

Wir befassten uns auch mit unserer eigenen Familiengeschichte. Viele von uns haben Großeltern, die aus dem heutigen Polen stammen. In jeder Familie gibt es irgendeine Form von Migration. Das hat mir gezeigt, dass Ländergrenzen eigentlich nur Linien auf dem Papier sind und unser Heimatland nicht allein unsere Identität ausmachen sollte.

Wir haben außerdem ein Spiel namens „Where do I stand?“ gespielt. Dabei wurde eine Frage zu einem strittigen Thema gestellt und wir sollten uns auf „Ja“, „Nein“ oder „?“ stellen. Danach wurden einzelne von uns gebeten ihre Meinung zu begründen. Wir durften den Platz natürlich wechseln, wenn uns ein Argument besonders überzeugte. Hierbei war besonders beeindruckend, wie aufgeschlossen und kritisch alle Jugendlichen waren.

Nach diesen Spielen verteilten wir uns dann in unsere Gruppen für die Workshops. In diesen deutsch-polnisch gemischten Gruppen arbeiteten wir erst einmal zu unserem jeweiligen Thema. Die vielen kleinen Spiele zwischendurch sorgten aber weiterhin für eine entspannte Atmosphäre. Dann bereiteten wir eine Präsentation unseres Themas für die anderen Gruppen vor. Die gewählten Präsentationsformen waren dabei sehr unterschiedlich. Eine Gruppe spielte eine Demonstration nach, eine andere führte kurze Szenen aus dem Leben eines Flüchtlingsmädchens auf. Zwei Gruppen schrieben ein Lied, welches sie aufnahmen beziehungsweise aufführten. Die Kunstgruppe zeigte uns „performing art“, eine Kunstform, bei der das Thema als eine Art Standbild mithilfe von Requisiten und der eigenen Person dargestellt wird.

Nachdem alle Gruppen präsentiert hatten, bekamen wir ein Zertifikat für unsere Teilnahme am Projekt. Zum Abschluss gab es noch einen Karaoke-Abend und dann fuhren wir zurück nach Lübeck. Die achtstündige Fahrt verbrachten wir größtenteils schlafend.

Besonders hat mir an dem Projekt die Begegnung mit den Polen gefallen. Viele standen der aktuellen Politik in ihrem Land kritisch gegenüber. Das hat mir geholfen, meine Vorurteile zu überwinden. Außerdem war es interessant, die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und vor allem die der Zeit danach aus einer anderen Perspektive zu sehen. So hörte ich zum Beispiel zum ersten Mal von der „Solidarnosc“ Bewegung und gewann einen Einblick in das Leben im damaligen Ostblock. Auch das hat mir geholfen, die Menschen in Polen besser zu verstehen. Für mich war das Projekt auf jeden Fall ein schönes Erlebnis.

Vielen Dank an alle Förderer, die uns diese außergewöhnlichen Tage ermöglicht haben!

Luise Pohlmann, Ea