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Meine Zeit in Guatemala

Meine Zeit in Guatemala, Kennet Lambrecht

Anreise:

Ich bin am Sonntag, dem 21. Juli 2019 um 10:00 Uhr von Hamburg über Frankfurt und Mexico City nach Guatemala City geflogen. Um 23.30 Uhr Ortszeit wurde ich dort von meinen Gasteltern sehr herzlich empfangen. Ich war also insgesamt fast 24 Stunden unterwegs. Bis wir dann zu Hause waren, war schon ein neuer Tag angebrochen und das hieß, nach nur fünf Stunden aufstehen für die Schule.

Familie:

Zu meiner Gastfamilie gehörten neben den Eltern, Bernhard und Margarita, die Kinder Alina (18), Andreas (16) und Olivia (14). Ich wohnte im Bezirk 10 in Guatemala Stadt, in einer Gated Community. Diese Familie war das Beste, das mir passieren konnte!

Schule:

In Guatemala musste ich schon um 5:30 Uhr aufstehen, da ich pünktlich um 6.20 Uhr von zu Hause mit dem Schulbus, einem typisch amerikanischen, abgeholt wurde. Einige Mitschüler mussten schon um 3.40 Uhr losfahren, da sie weiter außerhalb wohnten und der Verkehr in Guatemala Stadt eine Katastrophe ist. Für einen bei uns 15-minütigen Schulweg braucht man dort teilweise 2 Stunden. In Guatemala City ist nämlich kaum ein Durchkommen und Dauerstau in den Stoßzeiten, die eigentlich immer sind, vorprogrammiert.

In der Schule fiel mir sogleich die Masse der Schüler auf, die von den Bussen in die Schule strömten, Kinder vom Kindergarten bis zur 12. Klasse, insgesamt ca. 1000 Schülerinnen und Schüler.

Schüler der 1.-4. Jahrgangsstufe hatten ihren eigenen Trakt, ebenso wie jede darauffolgende Klassenstufe. Die 10. Klasse, in die ich ging, hatte z.B. auch ein eigenes Geschoss.

Die Klassen sind von der Anzahl der Schüler vergleichbar mit unseren, aber allein in meiner Klasse waren neben Christina und mir noch sechs weitere Deutsche. Wir aber waren die einzigen aus dem Norden Deutschlands. Dementsprechend war die Klasse voll und nicht alle Lehrer begeistert. Ich ging auf die Deutsche Schule Guatemala, und daher war die Hauptunterrichtssprache Deutsch. Allein Spanisch, Sport und Englisch wurden nicht in deutscher Sprache unterrichtet.

Die Lehrer kamen zudem meist aus Deutschland, doch einige waren auch aus England und Guatemala.

Nach der Schule, die teilweise bis 13:00 Uhr ging, konnte man entweder den Schulbus nach Hause nehmen oder eine AG besuchen. Auf dem Schulgelände befanden sich neben einem Sportplatz sogar ein 25 Meter Schwimmbecken und weitere sehr gute Sportanlagen.

Am zweiten Tag fuhr ich gleich auf eine Exkursion mit den 11. Klassen. Diese müssen einmal im Monat einen Ausflug zu einem staatlichen Kindergarten machen. Dort erklären sie den Kindern wichtige Dinge für’s Leben, wie z.B. die gesunde Ernährung. Es wurde getanzt, gesungen und Theaterstücke sowie Puppenspiele aufgeführt.

Neben der Aufklärung geht es aber auch um die finanzielle Unterstützung des Kindergartens durch die Deutsche Schule. Fehlende Gelder und mangelnde Unterstützung sind ein sehr zentrales Problem der staatlichen Bildungseinrichtungen sowie anderer staatlicher Institutionen.

Es gab auch lange Tage bis 15.00 Uhr in der Schule. Danach fanden keine AGs mehr statt.

Wie auch am Katharineum gab es eine Mittagspause, in welcher man entweder Mittagessen in der Mensa kaufen konnte oder aber sein in sogenannten „Luncheras“ mitgebrachtes Essen in den dort vorhandenen Mikrowellen aufwärmen konnte.

Ich nahm am regulären Unterricht teil, bekam aber 6 Stunden in der Woche zusätzlichen Spanischunterricht.

Auch am Samstag hat man die Möglichkeit für AGs in die Schule zu gehen.

Die DSG (Deutsche Schule Guatemala) trägt den Namen „Alexander von Humboldt Schule“. Anlässlich des 160 jährigen Todestages des berühmten „Jahrhundertentdeckers“ und des 100-jährigen Jubiläums der DSG wurde fleißig an einem Theaterstück geprobt, sogar in historischen Kostümen. In den folgenden Wochen wird dann weiter geübt, und wie bei unserem Musical, gibt es auch ein Probenwochenende. Danach stehen mehrere Aufführungen in der Schule und dem Deutschen Club an. Die Hauptrolle übernimmt der Autor des Stückes, der zuvor aus Deutschland eingeflogen worden war.

Die Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule müssen Abitur wie wir schreiben. Aber nicht nur das. Sie müssen gleichzeitig auch noch ein Deutsch-Diplom machen und das guatemaltekische Abitur ablegen. Das heißt, dass sie zwei Arten von Abitur haben und mit dem deutschen wie wir in Deutschland die gleichen Voraussetzungen haben. Für die Lehrer ist es praktisch, dass sie die Abiturklausuren nicht korrigieren müssen, sondern, dass sie diese nach Deutschland schicken, um sie dort korrigieren zu lassen.

Während meines Aufenthaltes fand eine Oberstufenparty statt, die als Hausparty startete, im Partybus weiter ging und in der Disco endete. Für alle Jahrgänge gab es eigene Shirts. Es waren fast alle Schüler anwesend.

In meiner zweiten Woche fand für die gesamte Schule ein Sportfest statt, bei welchem gesprintet, geworfen und gesprungen wurde. Die deutsche und die guatemaltekische Flagge wurden gehisst und die Nationalhymnen beider Länder gespielt.

Da in der Schule dort viel mehr Projekte realisiert werden als bei uns, gab es auch einen Fitnesstag, an dem z.B. Yoga und Zumba unterrichtet wurden, Fußball gespielt wurde und gesundes Kochen im Angebot war.

Die verantwortliche Lehrkraft vor Ort, Frau Keller, verabredete sich regelmäßig mit uns und plante auch Ausflüge für uns Gastschüler, z.B. zur ersten Hauptstadt Guatemalas, zu einer riesigen Landkarte Guatemalas, zum Zentralmarkt und zum Zentralpalast.

Die meisten Schüler und deren Eltern sind Mitglieder im Deutschen Club von Guatemala City. Dort finden für alle Altersgruppen regelmäßig gemeinsame Aktivitäten statt, oder man trifft sich einfach zum Austausch oder Sport.

Aktivitäten:

Leider war ich nur vier Wochenenden vor Ort, doch diese waren mit vielfältigen und sehr beeindruckenden Aktivitäten gefüllt, die mir dieses wunderschöne Land und die Herzlichkeit der Bewohner aufzeigten und näher brachten.

An einem Wochenende war ich auf der Kaffeefarm der Großmutter und wie Kaffee angebaut wird, hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Allein an dem Tag, an dem ich da war, wurden 2000 neue Kaffeepflanzen gesetzt. Im Naturzustand ist Kaffee grün und der Inhalt der Bohne schmeckt süßlich. Neun Monate dauert es, bis die Kaffeebohnen geerntet werden können, ungefähr Mitte Dezember, und dann sollten sie noch weitere neun Monate gelagert werden, bis sie den besten Geschmack haben.

Am selben Tag fuhr ich zum 2552 Meter hohen Vulkan Pacaya, der ungefähr eine Stunde von Guatemala City entfernt ist. Im Jahre 2010 ist der Vulkan zuletzt ausgebrochen. Er gehört zu den permanent aktiven Vulkanen Guatemalas und zur Zeit kann man seitlich austretende Lavaströme beobachten und über ihnen z.B. Marshmallows oder Würstchen rösten. Aus der Spitze des Vulkans sind tagsüber aufsteigender Rauch und Flammen zu erkennen, die an einem Tag mehr CO2 freisetzen, als alle Autos Guatemalas zusammen in einem Jahr. Vom Vulkan aus kann man auch die anderen Vulkane sehen, die in der Nähe von Guatemala City sind, u.a. die Vulkane Agua und Fuego. Vom Pacaya kann man sehr gut erkennen, dass die Hauptstadt in einem Tal umgeben von Bergen liegt.

Zu meinen schönsten Ausflügen gehörten die zwei Besuche der etwa eine Stunde entfernt von Guatemala City am Fuße des Vulkans Agua liegenden Stadt Antigua. Antigua ist eine alte spanische Kolonialstadt aus dem 16. Jahrhundert und unterscheidet sich stark von den anderen guatemaltekischen Städten. Es gibt dort gepflasterte Straßen, große Kirchen und alte Häuser. Die Mauern dieser sind teilweise bis zu zwei Meter dick, um gegen die Erdbeben zu schützen, die häufiger in diesem Gebiet auftreten. Mit seinen Kunsthandwerkläden zieht Antigua die Touristenströme an. Bekannt ist es auch für seine Süßigkeiten, die in Guatemala ungefähr so bekannt sind, wie das Niederegger Marzipan.

An einem Tag besichtigten wir die Planstadt Cayala in Guatemala Stadt, die für die reichere Bevölkerung ausgelegt ist. Des Weiteren besichtigten wir Einkaufszentren, die sehr amerikanisch anmuteten.

Ein Ausflug mit Freunden führte zum nahegelegenen Amatitlan See. Der Ausflug bestand aus Familienaktivitäten, gutem Essen, der Besichtigung einer Anlage für Polopferde und Polosport.
Am Himmelfahrtswochenende hatten wir vier Tage frei, so dass wir erst zum Nationalpark Rio Dulce flogen, um von dort weiter mit dem Boot nach Ray Caye, einer zu Belize in der Karibik gehörenden Insel zu fahren. Vor Ort trafen wir Freunde, segelten, schnorchelten, fuhren Kajak, aßen lecker und entspannten. Ich habe Haie, Rochen und Barracudas gesehen.

Das letzte Wochenende war einem Ausflug auf die „Landzunge des schlafenden Elefanten“ am Atitlán See vorbehalten. Dort verbrachten wir gemeinsam Zeit mit Wasserski, SUP, Baden und Entspannen. Das Haus der Familie war wunderschön gelegen, so dass man einen fabelhaften Ausblick auf die umliegenden Berge und einen großen Teil des Sees hatte.

Neben den oben genannten Aktivitäten war ich auch auf Familienfeiern dabei, so z.B. auf Geburtstagen oder der Firmung meines Gastbruders.

Fazit:

Während meines Aufenthaltes in Guatemala habe ich viele wunderbare Menschen kennenlernen dürfen, mit denen ich auf jeden Fall in Kontakt bleibe.

Nach diesen sechs Wochen fiel mir der Abschied sehr schwer, doch weitere gegenseitige Besuche mit Familie und Freunden wurden bereits abgesprochen.

Abschließend möchte ich meinen Dank aussprechen:

Ich danke Herrn Haukohl für die finanzielle Unterstützung dieses Projektes.

Des Weiteren Danke ich auch Herrn Küstermann, dem Unterstützer des Projektes auf guatemaltekischer Seite für einen sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Nachmittag vor Ort.

Mein Dank gilt auch Frau Nötzel und Herrn Leibersperger für die Organisation und die Unterstützung.

Mein größter Dank geht an meine Gastfamilie in Guatemala. Tausend Dank für die tolle Zeit bei Euch! Wir sehen uns wieder!

Kennet Lambrecht