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Unterm Kirschbaum mit Herrn Philippi – ein Treffen mit dem Neuen

Seit dem 1. April ist Herr Philippi unser neuer Schulleiter. Zeit für uns, ihn einmal in einem Gespräch näher kennenzulernen. Das Interview fand am 2. April statt, also schon einen Tag nach seiner Amtseinführung. Viel Spaß beim Lesen!

 

Zunächst einmal: Wie war der allererste Tag als Direktor am Katharineum bis jetzt so?

Heute war der Tag… ganz normal. In Rheinland-Pfalz war ich bis vor wenigen Tagen ja auch schon Direktor; so gesehen war es ein ganz normaler „Direktor-Tag“, aber natürlich mit vielen neuen Gesichtern, Eindrücken und Aufgaben.

Auf einer Skala von eins bis zehn, wie schön war Ihre Amtseinführung?

9…. Ein sehr beeindruckender Rahmen durch den altehrwürdigen Saal, sehr nette Menschen und die musikalischen Beiträge haben mir besonders gut gefallen.

Warum sind Sie Lehrer geworden und was hat Sie an dem Beruf gereizt?

Ich bin Lehrer geworden, weil ich großen Spaß daran habe, mit Jugendlichen zu arbeiten. Und es gibt keinen anderen Beruf, in dem man das so machen kann.

Welche Fächer unterrichten Sie und was begeistert Sie an ihnen?

Ich unterrichte evangelische Religion und WiPo, wie man hier in Schleswig-Holstein sagen würde – vor wenigen Tagen hieß es für mich noch Sozialkunde. Inhaltlich ist es aber das Gleiche. Und an beiden Fächern finde ich sehr faszinierend, dass es um Meinungen geht; und darum, sich mit der eigenen Existenz auseinanderzusetzen – sein eigenes Urteil zu finden, seine eigene Position zu entwickeln. Als ich selber noch Schüler war, fand ich das immer viel spannender, als z.B. – Entschuldigung  liebe Kolleginnen und Kollegen – Mathematik. Naja, vielleicht lag das aber auch an den Mathelehrern in meiner Schulzeit.

Sind Sie eher ein Freund von G8 oder G9?

G9, da G8 den Nachteil hat, dass früh eingeschulte Schüler als Kinder die Schule verlassen, würde ich frecherweise sogar sagen. Deshalb haben sie nie die Chance, genau das zu machen, was ich so wichtig finde: eine eigene Meinung zu entwickeln.

Halten Sie die Gymnasialempfehlungen für sinnvoll?

Ich würde sie für sinnvoll halten, wenn sie zutreffend wären. Aber meine Erfahrung ist, dass die Chance auf eine falsche Empfehlung sehr hoch ist. Ich habe in Rheinland Pfalz ja eine Gemeinschaftsschule geleitet. Wir haben alle Kinder aufgenommen… Nach einigen Jahren waren wir dann aber doch neugierig und haben nachgerechnet. Das Fazit war – wir hatten am Ende der Schulzeit in etwa genauso viele Abiturienten wie in der 5. Klasse Gymnasialempfehlungen. Nur oft waren es eben andere Schüler, die Abi machten … und nicht die, die in der 5. Klasse die Empfehlung hatten.Von daher habe ich bisher noch keine Methode gefunden, mit der verlässliche Gymnasialempfehlungen entstehen.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Anzeige gesehen haben, dass ein neuer Schulleiter am Katharineum gesucht wird – falls Sie eine gesehen haben?

Ja, das habe ich, und mein erster Gedanke war: „Hä, wieso haben die noch keinen Schulleiter gefunden?“ Denn als ich die Anzeige zum ersten Mal sah, war es die Drittausschreibung.

Wieso haben Sie sich letztendlich dafür entschieden, ans Katharineum zu kommen?

Weil mich fasziniert hat, dass es eine sehr reiche und lebendige Schule ist, die sehr viel neben dem Unterricht anbietet. Und genauso wünsche ich mir eine Schule. Außerdem hatte ich ohnehin Lust, mal etwas Neues zu machen.

Was war Ihr erster Eindruck von dem Gebäude, den Schülern und den Lehrern?

Mein erster Eindruck war, dass ich hier in das Haus hereinkam und aus einer Ecke hörte man Musik, aus der anderen Ecke hörte man eine Gruppe am Proben, in einer dritten Ecke waren Schülerinnen, die vermutlich Nachhilfe gaben. Und es war 19:00 Uhr abends. Ich dachte mir, ja, genau so ist das gut; Schule ist nicht um 13:00 Uhr zu Ende.

Was halten Sie von dem altsprachlichen „Schwerpunkt“?

Ich finde das interessant und spannend. Ich weiß, dass auch andere Schwerpunkte toll sind – jede gute Schule braucht aber mindestens ein Alleinstellungsmerkmal. Das Katharineum hat diesen Schwerpunkt gewählt, das ist das Besondere des Katharineums und ein Schwerpunkt, der sehr gut zu einer Schule passt, die selbst in einer Zeit gegründet wurde, als Latein noch die Sprache der Wissenschaften war. Auch für Schüler ist es super, dass es in Lübeck dieses Angebot gibt – was nicht heißt, dass nicht andere Schulen auch wunderbare Schwerpunkte haben.

Können Sie selbst Latein oder Alt-Griechisch?

Ja, „können“ ist jetzt so eine Definition… Ich habe Theologie studiert und in dem Zusammenhang kam ich in Kontakt mit Latein und mit Alt-Griechisch. Besonders leicht gefallen ist es mir nie und besonders gut war ich auch nicht.

Sind Sie selbst gerne zur Schule gegangen?

Nein. Die Freude am Lernen entstand bei mir in schulischen und außerschulischen AGs und dann vor allem im Studium.

In welche AG wären Sie als Schüler denn gerne gegangen?

Als Schüler habe ich unheimlich gerne Theater gespielt und das wäre auch sicherlich in allererster Linie meine AG gewesen.

Was war Ihr erster Eindruck von unserer Website?

Oh, ja, die hatte ich relativ schnell gesehen, die Website. Ich dachte mir, schön, dass jemand mal eine interessante Website gestaltet, die nicht diese klassischen langweiligen Layouts bietet. Besonders gut gefallen haben mir die vielen aktuellen Artikel.

Woher kommen Sie ursprünglich?

Ich bin bei Nürnberg aufgewachsen und in Nürnberg zur Schule gegangen.

Sind Sie verheiratet?

Ja, ich bin verheiratet und habe zwei Söhne.

Wie standen Ihre Söhne zum Umzug? Und in welchem Stadtteil wohnen Sie hier in Lübeck?

Also meinen Söhnen war der Umzug relativ egal, weil die nicht mehr zu Hause wohnen. Einer wohnt in Rostock, der andere wohnt in Nürnberg. Und ansonsten, Stadtteil – ich wohne am Stadtpark und da ist es sehr, sehr schön.

Mit welchen Hobbys verbringen Sie gerne Ihre Freizeit?

Jugendarbeit, Fahrradfahren, Wandern und Kochen.

Auf welche Kursfahrt möchten Sie unbedingt mal mit?

Hm, welche sind denn im Angebot (lacht)?

Wir können Griechenland, Israel, Guatemala, Udine, England, Frankreich und Kursfahrten nach Wien, Paris, Rom, Valencia, Venedig und London anbieten…

Die Antwort ist diesbezüglich relativ einfach: das ist mir ziemlich egal, ich bin nämlich sehr, sehr gerne unterwegs und es fällt mir auch überhaupt nicht schwer zu organisieren – von daher Kursfahrten mache ich gerne! – Auch weil Lehrer und Schüler sich in diesem Rahmen noch mal ganz anders kennen lernen!

Und privat, wo waren Sie schon und welches Land steht noch auf der „To-Do Liste“?

(lacht) Ich will mal andersrum antworten, mein Lieblingsland ist Portugal, ich bin sehr sehr gerne in Lissabon gewesen und in der Gegend drumherum. Die To-Do Liste ist deutlich länger als meine Freizeit es zulässt. Äähm, von daher reicht’s dann doch nur irgendwie bis zur Ostsee, aber das ist ja jetzt Gott sei Dank auch nicht mehr so weit.

Was halten Sie von „Fridays for future“?

Super Sache! Immer dann vor allem, wenn zum Plakathochhalten dann auch noch Nachdenken hinzukommt. Und wenn das Nachdenken dann auch noch zu einer Verhaltensänderung führt, dann ist „Fridays for future“ spitze.  Aber stumpf mit irgendwelchen Plakaten herumzurennen, davon war ich noch nie ein Fan.

Das ändert aber nichts daran, dass ich als Schulleiter dies als unentschuldigte Fehlzeit mit allen Konsequenzen bewerten muss. Die eigene Meinung – und insbesondere in so einer entscheidenden Frage – sollte bezüglich Zeit, Ort und Wahl der Mittel stets gut reflektiert werden. Dazu gehört auch die lang- und kurzfristigen  Konsequenzen für die Sache, die Gesellschaft und für einen selbst abzuwägen. Tut mir leid, wenn sich an dieser Stelle der WiPo – Lehrer in mir kaum bremsen kann.

Wo wir schon beim Thema Umwelt sind, wie kommen Sie morgens zur Schule?

Zu Fuß, und wenn ich kein Jackett anhabe, werde ich mit dem Fahrrad zur Schule kommen, aber ansonsten freue ich mich darauf, in Lübeck nicht mehr permanent Auto fahren zu müssen. Denn an meinem alten Wohnort war das mein täglich Brot: Die 80 km am Tag waren normal.  Und das ist überhaupt nicht schön.

Würden Sie eine Schülerin für GNTM beurlauben?

Warum nicht?  Denn wenn das Motto dieser Schule „Tu es“ ist, dann bedeutet es für mich, dass jeder die Chance haben soll, sich so zu engagieren wie es ihm wichtig ist und dabei auch gerne alle Fehler zu machen, die er machen möchte, denn so lernt man!

Sind Sie ein absolutes Arbeitstier und können Sie auch mal ganz gut entspannen?

Ich kann wunderbar entspannen, leider nur dann, wenn der Schreibtisch leer ist, und das ist manchmal ein Problem.

Und zu guter Letzt: Worauf können sich die Schüler mit Ihnen als neuen Direktor freuen?

Das ist eine Frage, die ich ganz schwer beantworten kann, weil erstens müsste ich dann wissen, worüber sich die Schüler freuen.  Zweitens müsste ich jetzt sagen, was an mir toll ist, aber das mag ich nicht.
Matiss Mucins hat mich bei der Amtseinführung als Menschen, nicht als Verwaltungsbeamten begrüßt – dafür bin ich ihm dankbar. Mir ist der Teamgedanke sehr wichtig; Dinge gemeinsam zu planen und alle Beteiligten als Fachleute und als Menschen ernst zu nehmen.

Vielen Dank für das nette Interview!